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Was meinen wir, wenn wir von Flagellanten reden
Flagellanten sind keinem der
acht Triebe, die entsprechend der Triebdiagnostik von Szondi
das Verhalten der Menschen bestimmen, als überwiegend zugehörig
zuzuordnen. Es spielen mehrere Faktoren eine
Rolle. Entstanden ist der Begriff im Mittelalter, als die sogenannten
Geißler oder Flagellanten, sich
selber züchtigend durch die Straßen zogen. Diese wollten
die Vaterfigur Gott als Führer, Beschützer und Helfer
körperlich spüren. Diese Selbstzüchtigungen sollten,
zur Sühne für weltliches Tun, auf
besondere Weise mit Gott
verbinden. Auch Flagellanten heute suchen Führung durch
eine Vater- oder Mutterfigur. Natürlich ist auch reales
Erleben wichtig, Träume und Selbstzüchtigungen sind
es überweigend, zumal Flagellanten sich sehr schwer tun,
einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Wer die Macht hat
zu züchtigen, hat auch die Macht zu schützen, Schuld
und Last abzunehmen und zu vergeben, das ist es, was die genetische
Situation bestimmt. Befreiung von aller Last und ein immer wieder
als glückhaft zu erlebender Neuanfang sind das Ziel. Deshalb
wird in diesem Zusammenhang oft auch von Erziehungsflagellantismus
gesprochen.
Welche Erwartungen verbinden
Flagellanten mit der körperlichen Züchtigung? Dazu
gehören Erwartungen, die keinen unmittelbaren Bezug zu einer
Erzieherpersönlichkeit haben sind:
Befreiung von seelischer Last
und einer als unglücklich empfundenen Lebenssituation.
Befreiung von quälenden
und undefinierbaren Schuldgefühlen.
Flucht vor einer als glücklos
empfundenen Situation in eine andere Welt, die wellt der Jugend
und des Geborgenseins, wenn auch nur für kurze Zeit.
Stärkung des Selbstbewusstseins
durch sieghaften Stolz, die mit der Züchtigung verbundenen
Schmerzen ertragen zu haben. Dazu gibt es viele Beispiele in
der Literatur. Die Biografie von Charly Chaplin sei hier beispielhaft
erwähnt. Zitat: Ich schrie gar nicht und kam mir stark
und sieghaft vor!
Daneben gibt es Erwartungen,
bei denen eine vertrauensvolle Beziehung mit dem Erzieher Voraussetzung
ist:
Erwartung von Führung und
einer Hilfe die emotionale Unsicherheit in Sicherheit verwandelt.
Der Wunsch sich fallen zu lassen
in die Arme einer Person, die ihren Führungsanspruch fühlbar
deutlich macht.
Verantwortung, die zur unerträglichen
Belastung wird, abzugeben und/oder mit einer Erzieherpersönlichkeit
zu teilen.
Für kurze Zeit zurückzugehen
in die Welt der Jugend mit einer straken Vaterfigur und/oder
Mutterfigur.
Deutlich und unmissverständlich
soll gesagt werden, eine sexuelle Befriedigung gehört nicht
zu dem, was Flagellanten erwarten.
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