Was Flagellanten von Erzieherpersönlichkeiten erwarten

Vertrauen schaffen
Ohne Vertrauen geht gar nichts. Wie auch. Flagellantische Zöglinge werden ihrer Erzieherin oder ihrem Erzieher ja nicht einfach übergeben - sie suchen sich diese in aller Regel selbst aus. Zugegeben - das überwältigende Bedürfnis nach flagellantischer Erziehung bringt Flagellantin/ Flagellant dazu, sich von irgendwelchen Personen zu denen keine Beziehung besteht, prügeln zu lassen. Dieses Erlebnis bringt nicht die erhoffte oder gewünschte seelische Befreiung. Allenfalls schafft es Abhängigkeiten die, da sie für die eigene Persönlichkeit als äußerst unangenehm empfunden, in aller Regel verdrängt werden. Die Isolation solcher Personen wird also eher verstärkt, als aufgelöst. Deshalb ist der allererste Anspruch der an eine Erzieherin, einen Erzieher, daß sie/er in der Lage sein muß, eine tiefe Vertrauensbasis zu den jeweiligen Zöglingen herzustellen. Freimütige Gespräche in denen Erzieherin/Erzieher sich selbst auch darstellen können, sind aller Erfahrung nach dafür eine gute Grundlage.

Einfühlungsvermögen
Oftmals sind Zöglinge gar nicht in der Lage, die eigene Position anderen zu verdeutlichen. Es besteht eine gewisse Scheu, manches auszusprechen oder darüber zu reden. Ein besonderes Gespür gehört dann schon dazu, solche Situationen zu erkennen und durch intensives Zuhören und miteinander sprechen dem Zögling zu helfen, seine Scheu zu überwinden.
Das Persönlichkeitsideal des Zöglings erkennen
Eng damit verknüpft ist ein Persönlichkeitsideal des Zöglings, dem er zumeist nicht entspricht. Dabei ist die tatsächlich in der Gesellschaft erreichte Stellung ohne Belang. (Denkanstoß: Eine Führungspersönlichkeit in einem Großunternehmen hat als Persönlichkeitsideal eine treusorgende Vaterfigur. Er kann diesem Ideal im Beruf nicht entsprechen). Das "Warum" in unserem Beispiel ist offensichtlich und macht auch deutlich, daß es darauf entscheidend nicht ankommt, entscheidend ist nur das "Daß"!

Die Lebenssituation des Zöglings erkennen und Hilfen geben.
Erst wenn dem Erzieher das Persönlichkeitsideal des Zöglings bekannt ist, wird es möglich sein, die Lebenssituation mit allem Zwiespältigen in der sich der Zögling befindet zu erkennen. Natürlich muß es jetzt für die verantwortungsbewußte Erzieherin, den verantwortungsbewußten Erzieher darum gehen, Hilfen zu geben. Hilfe kann auf unser Beispiel bezogen nicht sein, darüber zu diskutieren warum die Einhaltung des Idealbildes im Unternehmen nicht möglich ist, oder zu einer anderen Definition dieses Idealbildes zu kommen, das hat der Zögling selbst schon tausendmal versucht. Wirklich befreiende Hilfe kann nur eine erste Strafpredigt sein und das Verlangen, daß der Zögling seinem eigenen jeweiligen Idealbild zu entsprechen habe, ohne dies so zu bezeichnen.

Verantwortung übernehmen
Die Erzieherin, der Erzieher wird es nun nicht bei der "Strafpredigt" belassen, sondern die gewünschte und ersehnte körperliche Züchtigung androhen, wenn der Zögling sich künftig nicht diesem Ideal entsprechend verhält. Damit zeigt sie/er sich als die/ der Stärkere, die/der Verantwortung für den Zögling übernimmt. Künftig ist es also nicht mehr alleine Sache des Zöglings, diesem, seinem Idealbild zu entsprechen, sondern "die Erzieherin - der Erzieher" wird schon dafür sorgen. Wird dieses Bewußtsein vermittelt, ist es in der Lage, die seelische Last, an der der Zögling trägt, abzubauen zu befreien. Zögling ist nicht mehr alleine - sie/er hat jetzt ihre(n)/seine(n) Erzieherin/Erzieher der dafür mit die Verantwortung trägt.

Depressions- und Aggressionshaltungen abbauen
Wer hat Schuld? Wie zum Beispiel ein mißbrauchtes Kind die Schuld unabhängig von jeder realen und verstandesmäßigen Betrachtung alle Schuld bei sich sucht, so ist es eine menschliche Grundeigenschaft die Schuld dafür, daß etwas nicht gelingt oder nicht eigenen Persönlichkeitsidealen entspricht, bei sich selbst zu suchen. Einziger Schutzmechanismus ist das verdrängen. Geht das nicht, folgt ein Wechselbad aus Depression und Aggression dem der Zögling ausgesetzt ist und das sich aufzwingen eines sozialisierten Verhaltens, ist eher zusätzliche Belastung als befreiende Hilfe. Besonders bei starken Persönlichkeiten bauen sich enorme Aggressionskräfte auf und der Zögling spürt instinktiv, daß diese mittels einer körperlichen Züchtigung abgebaut werden könnten. Daher der Wunsch - das Bedürfnis nach fühlbarer körperlicher Züchtigung in einem entsprechenden Rahmen. Jetzt ist der "Führer oder Erzieher" gefragt, der es übernimmt seinen Zögling tatsächlich in einer Art Rollenspiel für seine "Schuld" zu züchtigen und das auch angemessen.

Züchtigung mit Gespür für das Erforderliche
Von einer angemessenen körperlichen Züchtigung war nun die Rede - aber was ist angemessen? Wie leicht liegt die Erzieherin, der Erzieher daneben. Wie das rechte Maß erkennen? In aller Regel wird kein Zögling sagen verhau mich fester, er wird eher vorzeitig um aufhören betteln. Das kann also nicht das Maß sein. Also lieber zu leicht als zu fest? Wird das vom Zögling so empfunden, war alles umsonst und ist nicht Hilfe sondern eher geeignet Depressionen und Aggressionen zu verstärken in neuer Schuld. (Ich bin schuld, daß mich meine Erzieherin, mein Erzieher nicht richtig vorgenommen hat). Aha, also lieber zu fest, als zu leicht? Zunächst ist davon auszugehen, daß es bei keiner Züchtigung zu bleibenden Schäden kommen darf, insoweit hat eine zu intensive Züchtigung durchaus den gewünschten Erfolg - nur - der Zögling wird auch später nicht zu der Idealpersönlichkeit finden und erneut eine Züchtigung benötigen. Das mühsam aufgebaute Vertrauensverhältnis ist durch die zu strenge Züchtigung allerdings unwiederbringlich zerstört, die seelische Not größer als vorher. Darüber hinaus ist es für den Zögling schwerer sich erneut jemand anzuvertrauen.

Erfahrung
Nur Erfahrung kann helfen, das richtige Gespür dafür zu entwickeln was für den jeweiligen Zögling angemessen ist. Dazu gehört auch die eigene Erfahrung. Die Erzieherin, ein Erzieher, der sich nicht selbst hat züchtigen lassen, wird kaum in der Lage sein dieses Gespür zu entwikkeln. Hilfreich dabei ist eine genaue Beobachtung der Körperreaktionen, der Mimik, des Verhaltens zwischen einzelnen Abschnitten der Züchtigung. Eine wesentliche Hilfe ist, wenn dem Zögling Gelegenheit gegeben wird mit Kleinigkeiten weitere Schläge zu provozieren. Er wird dies unabhängig von allen Beteuerungen ganz instinktiv und unbewußt tun, wenn er die Strafe als noch nicht ausreichend empfindet. Ein genaues beobachten des Zöglings und das Studium seiner Reaktionsweisen ist deshalb unerläßlich.

Freund und Vertrauter des Zöglings
Nun kann, wie sicherlich verständlich ist, die Erzieherin, der Erzieher nicht nur so etwas sein wie eine "Schmerztherapeutin", ein "Schmerztherapeut". Das Vertrauen und die besondere seelisch- intime Beziehung bedingt, daß die Erziehungspersonen zu Freunden und Vertrauten der Zöglinge in fast allen Lebenslagen werden. Dies erfordert auch, ein vergleichbares Sozial- und Bildungsniveau und ähnliche anderweitige Interessen. Kein Wunder, daß sich Zöglinge deshalb Erzieher als Lebensgefährten erträumen, obwohl unsere ziemlich egoistisch denkende Geldgesellschaft diesen Lebenstraum von Flagellanten durch ihr Unverständnis für flagellantisch geprägte Persönlichkeiten immer wieder zerstört.